
                            Thomas Becker

                            
                            _Ausmusterung_
                 fuer alle Ablehner der Zwangsdienste


                        _Ein kleiner Ratgeber_
                           Stand: Juli 1996




Dieser Reader umfasst diese Themen:


1. Vorwort
2. Die Meldeadresse ist schuld?
3. Auswandern real oder zum Schein hilft?
4. Die Tricks mit der Nichteinberufbarkeit von 24jaehrigen Maenner
5. Nichteinberufbarkeit durch die Psychotour
6. Aerzte und Tauglichkeit
7. Homosexualitaet und Einberufbarkeit
8. Probleme mit der Polizei und den Feldjaegern vorprogrammiert?

1. Vorwort
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Dieser  kleine  Ratgeber  befasst  sich  nicht  mit  den Anerkennungs-
prozessen,  sondern  er  schildert  nuechtern  die  Moeglichkeiten der
legalen Ausmusterung. Eigentlich  sollte es die  Ausmusterung fuer den
Durchschnittsbuerger nicht  geben,  doch  gegen  brave  Soldaten   la
Schwejck und  Felix  Krull hat  nicht  einmal die  ruhmreiche deutsche
Wehrbuerokratie eine Handhabe.

Nur wie sollte man es schaffen,  wenn man nicht die Moeglichkeiten der
Ausmusterungen kennen wuerde? Der Staat wird sie nicht nennen und ohne
eine kleine Sachkenntnis wird nichts draus.

Wer  sich  nicht  selbst  das  Simulieren  legaler  Kombinationen  der
Ausmusterung zutraut,  der sei  an dieser  Stelle noch  auf die vielen
Moeglichkeiten ohne Wehrdienst  hingewiesen. Ratgeber  dazu findet ihr
ebenfalls bei  mir (z.B.  "Kleiner  Ratgeber fuer  KDVs" und  z.B. der
"Profi-Ratgeber" - 160 kB von  der Zentralstelle fuer Recht und Schutz
der Kriegsdienstverweigerer Bremen u.v.m.)

Bloss nicht:
Dort, wo Zwangsdienste persoenliche bzw. finanzielle Haerten erzeugen,
bieten sich  u.U. jene  an,  die fuer  meist horrende  Geldsummen eine
Ausmusterung  versprechen.  Das  jedoch  ist  illegal  und  zudem noch
hoechst  gefaehrlich,  weil  die  Tragweite  der  Massnahmen  fuer den
Betroffenen kaum einschaetzbar ist. So koennten beispielsweise falsche
aerztliche Befunde die berufliche Karriere stoppen bzw. bei Aufdeckung
der Falschanalysen  zu  Gerichtsverfahren  fuehren.  Daher  raet jeder
serioese KDV-Berater von solchen "Angeboten" ab.


2. Die Meldeadresse ist schuld?
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Um  festzustellen,  wer   von  den  80   Milionen  deutschen  Buergern
ueberhaupt  einberufbar  ist,  muss  der   Staat  mit  der  Hilfe  der
registrierten Einwohner Karteien waelzen lassen.

Eigentlich  glaubt  man,  es  muesste   reichen  das  jeder  ab  einem
bestimmten Alter greifbar ist,  sobald er deutscher Staatsbuerger ist.
Allein die Staatsbuergerschaft  reicht aber noch  lange nicht aus. Die
Informationen  ueber  die  verfuegbaren  Wehrpflichtigen  bekommt  die
Bundeswehr von  den  Einwohnermeldeaemtern. Diese  Meldeaemter muessen
alle  17-jaehrigen  maennlichen  Deutschen  erfassen  und  melden  die
gefundenen  Jugendliche  an   das  fuer   das  Ortsgebiet  zustaendige
Kreiswehrersatzamt.  Das  wiederum   kann  nur   Mustern,  Planen  und
Einberufen wenn  der Wehrpflichtige  in Deutschland  eine Meldeadresse
hat. Hat er sie nicht, ist jeder schriftliche "Befehl" unzustellbar.

Wie  wir  den  obigen  Zeilen  entnehmen  konnten,  ist  eine gueltige
Meldeadresse Grundbedingung fuer  eine Einberufbarkeit. Nur  ist es in
der  Regel  nicht  leicht,  sich  aufgrund  fehlender  Meldeadresse zu
verduennisieren.

Clevere Anwaelte melden  ihre Soehne  ab ins Ausland,  bevor sie unter
die Pflichten der Wehrpflicht fallen. Das heisst im Klartext bevor sie
das siebzehnte Lebensjahr erreichen. Dann "vergessen" sie aus Versehen
ihre Soehne wieder  anzumelden. Faellt  es auf, ist  es lediglich eine
Ordnungswidrigkeit. Feldjaeger bzw. Polizei  suchen die jungen Maenner
nicht, weil  diese  fuer ihre  Buerokratie  gar nicht  existieren. Das
Einwohnermeldeamt  konnte   sie   nicht   an   das  Kreiswehrersatzamt
weitermelden - weil in  keiner Kartei mehr gemeldet  - und damit wurde
die Wehrpflicht umgangen. Wie dann Anwaelte mit der Nichtmeldung ihrer
Soehne im normalen Leben zurecht kommen, ist eine andere Geschichte.

Aber: Nach den  siebzehnten Lebensjahr  unterliegt man wehrrechtlichen
Pflichten, die auch eine  ordentliche Meldeadresse verlangen. Wer nach
dieser Karteimeldung  vom Einwohnermeldeamt  an das Kreiswehrersatzamt
seine Meldeadresse entzieht,  den suchen die  Feldjaeger mit Hilfe der
Polizei, weil  der junge  Mann seinen  wehrrechtlichen Pflichten nicht
nachgekommen und auffindbar ist.


3. Auswandern real oder zum Schein hilft?
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Diesbezueglich hatte  ein kleiner  anarchistischer Verein  vor einigen
Jahren Boris  Becker gratuliert,  wie  er es  doch geschafft  hat sich
legal der  Wehrpflicht  zu entziehen.  Sein  Rezept war  noch simpler:
Seine Eltern waren als  Deutsche im Ausland  registriert und ehe Boris
mit 17 in  die Faenge der  Bundeswehr kaeme, waren  sie in Deutschland
auf keinen Einwohnermeldeamt registriert.

Flucht ins  Ausland  ist  nur  dann ein  gelungenes  Mittel,  wenn man
Verwandte bzw.  gute Bekannte  hat,  die einem  Unterschlupf gewaehren
koennten bis  zum  vollendeten  28.  Lebensjahr.  Man  beachte hierbei
allerdings,   das   ohne    ein   Staatbuegerschaftsverfahren   solche
laengerfristigen    Auslandsaufenthalte     oft    unmoeglich    sind.
Touristenvisum bekommt  man, allerdings  nur fuer  befristete Zeit und
eine Verlaengerung  ist  meist  nicht  moeglich,  wenn  dazwischen der
Reisepass ablaeuft  und man  in die  deutsche Botschaft  muss. Mit der
Staatbuergerschaft eines  anderen Landes  wird man  jedoch dort ebenso
wehrpflichtig.  Allerdings   wird   man  dann   nicht   zu  Wehrdienst
herangezogen, wenn in diesen Lande die Wehrpflicht- durch Berufsarmeen
ersetzt  wurden.  Nur  im  Kriege   dieses  Landes  wird  die  ruhende
allgemeine Wehrpflicht wieder ausgerufen.

In  vielen  Laendern  kann   ein  Einberufungsbefehl  auch  durch  die
deutschen Botschaften  zugestellt  werden. Wer  also  seinen deutschen
Personalausweis oder einen  anderen wichtigen  deutschen Pass besitzt,
welcher  bis  hin  zum   28.  Lebensjahr  ablaufen  wuerde,  benoetigt
unbedingt  vorher   neuere   Dokumente  (z.B.   durch   "Verlust"  des
derzeitigen).

Andererseits bekommen junge  Wehrpflichtige nur  Reisepaesse mit einer
Guetigkeit  von  5  Jahren  ausgestellt.  Beispiel:  Ein  18-jaehriger
benoetigt einen  10 Jahre  gueltigen Reisepass,  um bis  zu seinen 28.
Lebensjahr in den moeglichen Genuss einer Visaverlaengerung im Ausland
zu gelangen. Dies  zeigt deutlich,  das nur  fuer Ungediente innerhalb
der    Restzeit    des     Reisepasses    die    Moeglichkeit    einer
Auslandsaufenthaltsgenehmigung (Visa) besteht.

Auch ist  in  Laendern  innerhalb der  "Europaeischen  Union" Vorsicht
geboten, denn es gibt  teilweise behoerdliche Zusammenarbeiten. Jeder,
der es  schafft dennoch  im  Ausland irgendwie  unterzutauchen, sollte
sich  bis  vollendeten  28.  Lebensjahr  in  Deutschland  nicht wieder
blicken lassen.  Mit 28  sind auch  solche Fluechtigen  nicht mehr zum
Wehrdienst heranziehbar und es stellt nur noch eine Ordnungswidrigkeit
dar,  fuer  die  man  zu   Bussgeld  verurteilt  werden  koennte.  Zur
Erinnerung: Bussgelder haben nur eine maximale Hoehe von 1000 DM.

Wer  im   Ausland  rechtmaessig   einen  deutschen  Einberufungsbefehl
zugestellt bekommen  hat,  macht  sich bei  Nichtantritt  des Dienstes
strafbar. Allerdings verjaehrt eine Strafverfolgung mit Vollendung des
38. Lebensjahres.


4. Die Tricks mit der Nichteinberufbarkeit von 24jaehrigen Maenner
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Bei 24jaehrigen Maennern  besteht die  Moeglichkeit des Hinausschieben
ueber  die  Altersgrenze   der  Einberufbarkeit.   Dieses  Wissen  hat
bundesweit vielen Maennern geholfen.

8 Wochen darf ein  Wehrpflichtiger seinen Wohnsitz abwesend verlassen,
ohne das  Kreiswehrersatzamt /  BAZ  darueber informieren  zu muessen.
Eine interessante  Hintertuer.  Etwas schwieriger  ist  die Berechnung
hierfuer.   Weil   das    Kreiswehrersatzamt   bis    4   Wochen   vor
Einberufungstermin die  Einberufungen  zustellen muss,  muss  man also
bereits die  zeitigere Zustellung  planen. Meist  ist eine Einberufung
nur ein Einschreiben. Einschreiben gehen  bekanntlich nach 7 Tagen als
"unzustellbar" zurueck, wenn  der Brieftraeger  niemanden erreicht und
wir das  Einschreiben nicht  abholen. Und  auch eine  Einberufung muss
"zugestellt" werden  um Rechtskraft  zu besitzen.  Dieses Einschreiben
erkennen      wir      u.a.      an      der      Postleitzahl     der
Einschreibenbenachrichtigung.

Leider   werden    mitunter   auch    Postzustellungsurkunden   (PZU),
niedergelegtes   Schriftstueck    oder    Postzustellungsauftrag   mit
Einberufungsbefehl verschickt. Da diese  sofort als "zugestellt an die
Meldeadresse" gelten,  gibt  es hier  kein  zurueck. Also  muessen wir
moeglichst rechtzeitig mit der  Einberufbarkeit rechnen lernen und uns
mit unserer Meldeadresse beschaeftigen.

Um ueberhaupt  einen  jungen  Buerger  als  Menschenmaterial  fuer die
unendlichen Friedenskriege  zu erhalten,  muss der  Staat einen teuren
Verwaltungsapparat  in   Bewegung  setzen.   Quasi  jeder  17-jaehrige
maennliche Buerger wird aufgrund seiner Meldeadresse bereits durch das
Einwohnermeldeamt    gegriffen    und    als    Wehrpflichtiger    dem
Kreiswehrersatzamt statistisch  uebergeben. Die  ganze Einberufbarkeit
funktioniert, solange  man  nicht  sehr oft  den  Wohnsitz (angeblich)
wechselt,  bzw.  sich  regelmaessig  hin  und  wieder  fuer  8  Wochen
abmeldet.

So ist ein  Einberufungsbefehl an  die Meldeadresse  gebunden, weil er
"zugestellt"  werden  muss.  Nimmt  ein  solches  Einschreiben niemand
entgegen, dann geht es  nach 7 Tagen  als "unzustellbar" zurueck. Auch
die sofort rechtskraeftige  Postzustellungsurkunde ist nur zustellbar,
wenn man auch in Deutschland gemeldet ist.

Jene 24-jaehrigen,  die  nun laengere  Zeit  als 8  Wochen gegenplanen
muessen, sollten ernsthaft einen Anwalt aufsuchen.

Der  Anwalt  wird  deswegen  notwendig,  weil  wir  ja  einerseits uns
teilweise abmelden, jedoch nicht real  unser Land verlassen. Wenn z.B.
die  Feldjaeger  der  BUNDESWEHRmacht   eingreifen  wuerden  wollen  -
gleichgueltig  ob  ihr  Eingriff  rechtens  ist  -,  spaetestens  dann
brauchen wir  einen Anwalt  mit  Sachgebiet Wehr-  & Zivildienstrecht.
Davon  gibt   es  aber   nur   recht  wenige.   Also  muss   man  sich
vorbeugenderweise bereits einen suchen.

Ausserdem kann  ein  guter Anwalt  gute  Planungsstrategien entwerfen.
Diese werden fuer Dich teilweise  etwas stressig werden, man muss halt
kaempfen, um  nicht kaempfen  zu muessen.  :-) Die  Anwaltskosten sind
nicht immens hoch, weil man ja meist nur in bestimmten Abstaenden beim
Anwalt vorsprechen muss.

Der Anwalt wird  zunaechst versuchen,  mit behoerdlichen Meldeirrwegen
die   Einberufbarkeit   zu   verhindern.   Er   kennt   die  amtlichen
Bearbeitungszeiten der  Bundeswehr und  ihre  Schwaechen. Dazu  ist es
wichtig, das man NICHT  Zivi werden darf! Zum  einen deswegen, weil es
beim BAZ Koeln  keine Irrwege  gibt und diese  sofort zustaendig sind,
egal ob  wir uns  nun  in Rostock  oder  in Muenchen  anmelden lassen.
Ausserdem beruft  der Zivildienst  monatlich ein,  so dass  die Chance
einer ungedienten  Erreichbarkeit  der  Altershoechstgrenze schwindet.
Demgegenueber  untersteht  ein  Bundi  innerhalb  der Wehrueberwachung
seinem zustaendigen Kreiswehrersatzamt, welches Kreisbezogen ist.

Melden   wir   uns    um,   dann    benachrichtigt   das   zustaendige
Einwohnermeldeamt Dein  Kreiswehrersatzamt  (KWEA). Nun  wandern Deine
Akten vom KWEA  zu dem KWEA  in der durch  Dich neu gemeldeten Gegend.
Ein "Wandern" kann  also vor  Einberufung schuetzen. Das  Gute bei 24-
jaehrigen ist, das man  sich ueber die  Altergrenze geschoben hat, ehe
das KWEA die organisierte Nichteinberufbarkeit entdecken kann.


Zusammenfassung: Wer koennte 24jaehrigen nun helfen?

- (1) Wenn zwischen  letztenmoeglichen Einberufungsdatum und denen der
naechstmoeglichen Zustellung  einer  Einberufung  nur  noch  bis  zu 8
Wochen offen sind, kann man es  mit der Hilfe eines guten KDV-Beraters
selbst schaffen.

- (2)  Wenn mehr  als die  8 Wochen  offen sind,  sollte man unbedingt
einen Anwalt  mit Sachgebiet  Wehrrecht konsultieren.  Dieser kann die
notwendigen rechtsstaatlichen Winkelzuege weisen.


_Stichwort Einberufungsgrenze 25:_
_Welche Fehler darf ich im Vorfeld als 24-jaehriger nicht machen_?

- Keine Zurueckstellung beantragen, die zur Einberufungsgrenzerhoehung
fuehrt! Erst genau  informieren in einer  KDV-Beratungsstelle bzw. bei
KOMPETENTEN Mitarbeitern  des KWEA  (z.B.  dem Amtsleiter  bzw. seiner
Assistenten)

- Keinen KDV-Antrag fuer Zivildienst beantragen!
Zivildienst beruft monatlich  ein und erschwert  daher die Planung der
Nichteinberufbarkeit, waehrend der Bund  (je nach Eignungspruefung der
Musterung) an 4  bzw. 8  Monaten nur einberufen  kann. Desweiteren hat
ein KDV-Antrag "aufschiebende  Wirkung". Das  heisst, man  ist bis zum
beendeten Anerkennungsverfahren  KDV weder  vom Bund  noch Zivildienst
einberufbar, was in  diesen Falle allerdings  zu einer Erweiterung der
Einberufungsgrenze fuehren kann.


5. Nichteinberufbarkeit durch die Psychotour
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Wehrpflichtige  muessen   Gemeinschaftsfaehig  sein   und  duerfen  in
gewisser Weise  nicht  Suizidgefaehrdet  sein.  Wer  also regelmaessig
Psychologen besucht, weil man "mit der Gesellschaft nicht mehr zurecht
kommt" kann  durchaus  eine  Ausmusterung erreichen.  Einen  Haken hat
meist die Psychotour:  Man muss  vor allem bei  wenigen Attesten damit
rechnen, das  die  Bundeswehr die  psychologische  Tauglichkeit selber
aufwendig prueft. Hat man bereits viele  zivile Atteste, so hat es die
Bundeswehr schwer, sie anzufechten.

Und so ist ein Rekrut aus der Kaserne gekommen:
Eine Wehrpflicht  ist bekanntlich  nur dann  bequem durchsetzbar, wenn
jeder Mann brav das tut  was Vaeterchen Staat aufdiktiert. Am Beispiel
dieses jungen Rekruten zeigt sich  das "Kaempfen, um nicht kaempfen zu
muessen" als  durchaus  sehr  erfolgreich. Der  junge  Mann  wurde zum
Januar einberufen. Seinen Militaerarzt  im Sanitaetsbereich (SanB) bat
er um Hilfe, weil er nicht in der Lage ist, sich so schnell zu bewegen
wie seine  Kameraden.  Nach den  grossen  dramatischen Worten  bis zur
Selbstverzweifelung ueberwies  der  Arzt  ihn  in  das naechstgelegene
Bundeswehrkrankenhaus zur neurologischen Untersuchung.
Dummerweise  konnte  jeder   Vorgesetzte  bestaetigen  die  langsamere
Fortbewegung des jungen Mannes. Eine  Erklaerung dazu hatte keiner, es
schadete aber der  Norm der  Ausbildung. Hauptproblem war,  das er mit
dem Aufstehen, Waschen, Rasieren,  Anziehen der umstrittenen Kluft und
der Einnahme des  Fruehstueckes ewig nicht  fertig worde. Danach kommt
der Appell, da war der junge Mann noch lange nicht bereit.
Entweder laesst  er  das Rasieren  weg,  dann wuerde  er  alles andere
schaffen.  Aber  dann  motzt  ihn  jeder  wegen  des  Bartes  voll vom
Gruppenfuehrer bis zum Disziplinarvorgesetzten  (KpChf). Das geht also
nicht. Oder er rasiert  sich und laesst  das Fruehstueck zeitlich weg.
Das  ist   aber   auch   nicht  moeglich,   weil   die   Einnahme  der
Truppenverpflegung Pflicht (sog. Gesunderhaltungspflicht) ist.
Wie nun weiter? Das fragte er  sich und auch die Psychologen. Nach den
Idiotentests der Psychologen erfolgte  die Beantragung der Psychologen
zur Beendigung des  Dienstverhaeltnisses (T5)  bei der uebergeordneten
Behoerde, schrieben den Rekruten solange Krank zu Hause (KzH), bis die
Beendigung des Dienstverhaeltnisses stattgegen wurde.
Irgendwie cleverer als die  Behoerden verstehen vermoegen: Mitte Maerz
war er entlassen und nach etwa 4 Wochen der Einberufung war er bereits
KzH.


6. Aerzte und Tauglichkeit
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Zu beachten  ist  immer,  das  jedes  Attest,  welches  praktisch eine
Ausmusterung zur Folge  haben koennte,  von den  Behoerden nochmals in
Form von eigens eingewiesenen  Amtsaerzten nachgeprueft wird. Nur wenn
Behandlungen ueber laengere  Zeitraeume notwendig  waren, werden diese
oftmals ohne grosse Nachuntersuchungen beruecksichtigt.

Blut im Urin  ist ein interessantes  Mittel, um bereits  im Vorfeld zu
stoeren. Damit kann man den Untersuchungsprozess bewusst verlangsamen.
Zum Beispiel  bei der  Musterung oder  als KDV  in der  Truppe, um dem
Drill  zu  entfliehen.  Das  ganze  liest  sich  wie  ein  gutes altes
Hausrezept:
Man nehme eine  Nadel oder  Reisszwecke aus der  Hosentasche und piekt
sich vor Urinabgabe in der  Toilette in einen Finger an unauffaelliger
Stelle. Man  laesst einen  Tropfen Blut  in den  Urinbecher hinein und
macht anschliessend seinen Urinbecher mit dem Urin...

Fuer  alle,  die  ihre  Tauglichkeit  naeher  unter  die  Lupe  nehmen
moechten, haben  dazu die  Moeglichkeit durch  einen veroeffentlichten
Teil der  eigentlich unter  Verschluss stehenden  ZDv 46/1.  Man wende
sich damit an seinen  Hausarzt mit der Bitte  um Pruefung wenn man ihn
gut kennt. Vielleicht  findet ihr Euch  sogar selbst zurecht, immerhin
ist das Noetigste im Vorwort erlaeutert.

Fuer alle, die ihre  Tauglichkeit genau ins  Visier nehmen wollen: Das
schlaue Heft gibt Auskunft ...

   Herausgeber:             Titel:                        Preis:
   Kampagne gegen Wehr-     Musterungskatalog             25 DM
   pflicht, Zwangsdienste   (ZDv 46/1)
   und Militaer Berlin
   Oranienstr. 25
   10999 Berlin
   Tel.: 030/ 61500530
   Fax.: 030/ 61500599


(erhaeltlich auch in vielen anderen Beratungsstellen)


7. Homosexualitaet und Einberufbarkeit
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Nun in  unseren  kleinen  Ratgeber  noch  etwas  zur  Ausmusterung als
Homosexueller. Wenn  alle  Straenge  reissen,  keine  Moeglichkeit zur
Ausmusterung  geeignet  erscheint,  stellt  sich  einigen  unter  Euch
moeglicherweise die Frage nach der Ausmusterung wegen Homosexualitaet.
Die Homophillie ist  aber ein  komplexes Thema fuer  sich, welches ich
hier nur treffend kurz anschneiden  moechte. Homo fuehrt nicht einfach
zur Ausmusterung und es gibt  auch keine "Extra-Kasernen" fuer Schwule
in  der  Bundeswehr.   Nach  militaerpsychiatrischer  Auffassung  sind
Schwule als  Wehrpflichtige voll  einsatzfaehig.  Nur die  Eignung als
Vorgesetzte sei ausgeschlossen.

Zuerst sollte  man  den  Standpunkt der  Bundeswehr  dazu  kennen: Der
Wehrpflichtige muesse  nicht  seine  ganze  Einstellung  seinen Umfeld
gegenueber aendern, sondern er duerfe lediglich seine Partner nicht in
den Bundeswehrkameraden  suchen.  Die  homosexuelle  Betaetigung gaebe
keinen    Aufschluss     dazu,     das     man     nicht     in    den
Maennergemeinschaftsstuben schlafen  und  gemeinsam duschen  kann. Ein
gesunder Homo haette auch seine Gefuehle immer voll im Griff.

Doch auch hier gibt es Moeglichkeiten, die Ausmusterung anzustreben:

1. Auffallend  weiblich zur  Musterung gehen.  Die KWEAs  sollen junge
Maenner, welche als bestechend weiblich wirken (z.B. Schminke, Schmuck
und Kleidung) wegen  der Diskriminierungsgefahr in  der Bundeswehr als
Untauglich bezeichnen.

2. die  Verletzlichkeit  der  Homowuerde, wenn  die  Kameraden spotten
wuerden.

3. Werden "schoene  Bundis" bzw. "schoene  Zivis" angemacht, so besagt
die Praxisregel vielerorts, das der  Homo wegen Untragbarkeit nach dem
dritten  Versuch  ausgemustert   wird.  Man   sollte  vielleicht  mehr
Vorgesetzten  eindeutige  Angebote  machen,  da  diese  nicht schlagen
duerfen (Das macht sich  beim Bund mit  den tausend Vorgesetzten recht
gut, behaupten boese Zungen).

4. Auf dem Klageweg haben alle  in den mir bekannten Faellen gewonnen,
weil die  Einsetzbarkeit  in den  Kasernen  nicht vor  der Einberufung
getestet werden  kann  und es  nur  auf die  Glaubwuerdigkeit ankommt,
welche man ausstrahlt.  Die Gutachter, welche  die Bundeswehr bzw. das
Gericht damit  beschaeftigt muss  man von  der Unkontrollierbarkeit in
Maennersgemeinschaften (z.B.  Jugendherbergen, Diskos)  und den daraus
resultierenden Problemen ueberzeugen.

Auch hier gilt:
Zivile Gutachten werden nur geprueft,  ein von der Bundeswehr Amtsarzt
wird  das  Ganze  pruefen  muessen.  Es  gibt  nach  meinen Recherchen
anscheinend nur  ein  Privatdozent,  wessen Gutachten  sofort  von den
Bundeswehrbehoerden anerkannt wird:
Sexualmedizinische  Ambulanz  Uni-Klinik  Frankfurt/Main. Privatdozent
Dr.  Dannecker;  Tel.  069/6301-7613  (Terminreservierung)  Gutachten-
Preis: DM  250,-. Dieser  Arzt  kann ein  Gutachten erstellen  und bei
erkennbaren    psychischen    Problemen    den    Homosexuellen    die
Zurueckstellung bzw. Ausmusterung empfehlen.


8. Probleme mit der Polizei und den Feldjaegern vorprogrammiert?
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Wer seine Meldeadresse aendert oder  sich komplett von allen deutschen
Meldeadressen (Haupt-  und  Nebenwohnungen) befreit,  stellt  sich die
Frage, welche Macht hat denn nun noch der deutsche Staat?

Gaensehautartig erfahren bereits  Schueler von ihren  Lehrern, das die
Feldjaeger jeden  holen, der  halt sich  weigert. Dabei  tut man nicht
selten so, als haetten  die Feldjaeger Sondervollmachten. Hier erfahrt
ihr, was sie wirklich duerfen und machen.

Eigentlich machen sich  die Feldjaeger  nach dem  dritten Fehltage auf
die  Suche  nach  den  Fluechtigen.  Dazu  bedienen  sie  sich einiger
Hilfsmittel. Zuerst wird  Hauptwohnung, dann Nebenwohnung(en) besucht,
allerdings nicht  durchsucht. Das  gilt  gleichermassen auch  fuer die
Polizei: Wenn die zu suchende Person  nicht im / am Gebaeude gesichtet
wird und  Anwohner  nicht  das Anwesen  der  Person  aussagen, betritt
niemand das / die Gebaeude. Die Unverletzlichkeit der Wohnung wird die
Polizei  nicht   brechen,   dies   widerspricht   dem   Grundsatz  der
Verhaeltnismaessigkeit.  Die  Polizei  selbst   kann  selbst  nur  mit
Haussuchungsbefehl eintreten wollen.  Diesen bekommt  sie wiederum nur
mit der Unterschrift eines Staatsanwaltes bzw. Richters...

Die Feldjaeger  sind  nichtjuristische  Personen  und  haben keinerlei
Befugnisse gegenueber Zivilisten. Sie stellen auch keine "Hilfsbeamten
der  Staatsanwaltschaft"  dar,   wie  es  die   Polizisten  sind.  Die
Feldjaeger besitzen also keinen Status, nur ihre Armbinde.

Das Nichtjuristsein  der  Feldjaeger  laesst sie  manchmal  ueber ihre
Straenge reissen. Dadurch sind  Feldjaeger mitunter auch fuer Anwaelte
schwer  berechenbar.  Hauptsaechlich  aber  nutzen  Feldjaeger  andere
Methoden, um den Aufenthaltsort ihres Opfers herauszufinden. Da werden
Nachbarn   befragt.   Moeglich    ist   auch    eine   Befragung   des
Wohnungseigentuemers   /   Hausmeisters   nach   moeglichen   weiteren
Aufenthalt in der Wohnung - wenn  auch abgemeldet -. Daher sollten all
jene, die aus irgend  einen Grund vor  den Feldjaegern sich verstecken
muessen, am Besten  eine voruebergehende  andere Bleibe  (z.B. bei der
Freundin oder bei Bekannten) suchen.

Im Gegensatz zur Polizei haben  Feldjaeger mitunter viel Zeit, um nach
ihren Opfern  zu  fahnden. Wer  den  Aerger mit  Feldjaegern  von vorn
herein   aus    dem    Wege    gehen    moechte,    wird   anerkannter
Krigsdienstverweigerer  aus  Gewissensgruenden   (Zivi).  Damit  haben
Feldjaeger keinen Einfluss mehr und irgendwelche Suchaktionen nach den
Fluechtigen unternimmt nur die Polizei mit ihren Zeitmangelproblemen.

Ein anderes Problem  waere das  Aufsuchen eines  Fluechtigen an seinen
Arbeitsplatz. Auch hier  ist es eher  den Feldjaegern zuzutrauen, denn
boese Zungen behaupten,  die AOK gaebe  Feldjaegern Auskunft ueber den
Arbeitsplatz  (trotz   Datenschutz).  Hier   hilft  auf   alle  Faelle
rechtzeitig KDV-Verfahren  zu durchlaufen  und gegebenfalls  die Kasse
wechseln.
