Aktuelle Informationen zum Thema BSE/Creutzfeld-Jakob-Krankheit
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Aufgrund vieler Anfragen hat die Bayerische Landesanstalt fr Ernhrung die
am hufigsten gestellten Fragen zum Thema BSE/Creutzfeld-Jakob-Krankheit
zusammengestellt und dazu Antworten formuliert.

Frage:

Was ist der derzeitige Stand im Hinblick auf die bertragbarkeit des
BSE-Erregers auf den Menschen (Zusammenhnge mit den aktuellen
Creutzfeld-Jakob-Fllen in England)? 

Antwort:

Hierzu liegt folgende gemeinsame Stellungnahme des Robert-Koch-Instituts
(RKI) und des Bundesinstituts fr gesundheitlichen Verbraucherschutz und
Veterinrmedizin (BgVV) Berlin vom 21.03.1996 vor: Das britische
Gesundheitsministerium hlt einen Zusammenhang zwischen BSE und der
Creutzfeld-Jakob-Krankheit des Menschen fr wahrscheinlich. Es sttzt sich
dabei auf die Untersuchungsergebnisse von 10 Creutzfeld-Jakob-Fllen bei
Personen unter 42 Jahren. Diese britische Bewertung besttigt eine
entsprechende wissenschaftliche Stellungnahme der o. g. ehemaligen
BGA-Institute aus dem Jahr 1993: "Die bertragung von BSE kann unter
geeigneten Bedingungen auch auf den Menschen mglich sein". 

Begrndet wurde dies mit der Tatsache, da sich BSE experimentiell mit der
Nahrung z. B. auf Katzen und katzenartige Tiere (Feliden) bertragen lt -
einer Tierfamilie die entwicklungsgeschichtlich weit von den Rindern entfernt
ist. Da Vergleichbares fr die Primaten bzw. den Menschen gilt, ist eine
bertragung ebenso denkbar, wenngleich wissenschaftliche Beweise noch
ausstehen. Die englischen Erkenntnisse aus den 10 Krankheitsfllen erhrten
diesen Verdacht. Da bis heute noch kein verlliches Nachweisverfahren fr
den BSE-Erreger existiert, kommt dem vorbeugenden Verbraucherschutz eine
besondere Bedeutung zu. 

Frage:

Welche Empfehlungen zum Verzehr von Rindfleisch und Wurstwaren knnen derzeit
gegeben werden? 

Antwort:

Bayern hat bei Rindfleisch einen Selbstversorgungsgrad von 220 %. Qualitt
aus Bayern - Garantierte Herkunft (QHB) gibt dem Verbraucher Sicherheit, da
das Fleisch aus bayerischen landwirtschaftlichen Betrieben stammt.
Mittlerweile sind es nach aktuellen Angaben des Fleischprfringes Bayern e.
V. bayernweit 130 Grohndler, Schlacht- und Zerlegebetriebe die am
QHB-Programm fr Rindfleisch teilnehmen (Stand: 28.03.1996).

Daneben gibt es in Bayern 1504 Endverkaufsstellen (Einzelhandel, Supermrkte
usw.) sowie 522 Metzgerfachbetriebe, die das QHB-Zeichen fr Rindfleisch
verwenden drfen. Ausgenommen vom QHB-Zeichen sind bislang Wurstwaren.
Ausschlaggebend ist deshalb eine vertrauenswrdige Zusicherung des Metzgers
oder Handels. Rindfleisch kann praktisch in allen gngigen Wurstrezepturen
enthalten sein. Lediglich in Geflgelwurst (Geflgelleberwurst, -slzen,
-pasteten) kann nach Auskunft des Landesuntersuchungsamtes fr das
Gesundheitswesen Sdbayern in der Regel davon ausgegangen werden, da kein
Rindfleisch verarbeitet worden ist. Rinderhirn ist in Wurstwaren nicht
enthalten (s. Antwort Nr. 4). Fr Hinweise auf Herkunft bzw. Qualitt mu der
Handel die volle Verantwortung bernehmen. 

Frage:

Wie sieht die Situation bei kuflichen Fleischextrakten, Fleischbrhen,
Fleischbrherzeugnissen und Fertiggerichten (mit Fleischanteilen) aus? 

Antwort:

Hier ist auf die Auskunft der Fachverbnde zu verweisen. Nach Auskunft der
entsprechenden Fachverbnde wird in Deutschland schon seit lngerer Zeit kein
britisches Rindfleisch fr die Herstellung von Fleischextrakt, Fleischbrhe,
etc. verwendet. So erfolgt z. B. die Gewinnung des Extraktes ausschlielich
aus Muskelfleisch und zwar als "Nebenprodukt" der Corned beef-Herstellung.
Bei Fertiggerichten mit Rindfleischanteilen kann nur durch Nachfragen beim
jeweiligen Hersteller die eindeutige Herkunft festgestellt bzw. dokumentiert
werden. 

Frage:

Was geschieht im allgemeinen mit Rinderhirn nach der Schlachtung, kann es
z.B. auch in die Wurst gelangen? 

Antwort:

Nach Auskunft der Bundesanstalt fr Fleischforschung, Kulmbach wird der
Rinderkopf bei der Schlachtung nicht gespalten, d. h. er gelangt als ganzes
Stck (einschlielich Hirngewebe) in das Konfiskat bzw. in die
Tierkrperbeseitigung. Eine Verwendung von Rinderhirn fr die Wursherstellung
in Bayern kann daher ausgeschlossen werden. 

Frage:

Mu man bei Gelatine enthaltenden Produkten (z.B. Gummibrchen) ebenfalls mit
einem Infektionsrisiko rechnen? 

Antwort:

Aufgrund der Rohstoffauswahl und Produktsverfahren besteht kein BSE-Risiko
bei Gelatine und Gelatineprodukten. Die verarbeiteten Rohstoffe stammen
ausschlielich von Tieren, die nach den Vorschriften der nationalen
Fleischbeschaugesetze veterinramtlich begutachtet und zum menschlichen
Verzehr freigegeben worden sind. Rohstoffe, die ohne Bedenken bei der
kchenmigen Zubereitung eingesetzt werden drfen, knnen auch fr die
industrielle Weiterverarbeitung keine Gefahr darstellen.

Darber hinaus enthlt der Herstellungsproze von Gelatine
Produktionsschritte, die nach dem Stand der Wissenschaft selbst in dem
unwahrscheinlichen Fall einer BSE-Infektion des Rohmaterials zu einer
Abttung der Erreger fhren wrden. Es sind dies insbesondere die Behandlung
der entfetteten Knochen zur Entmineralisierung durch verdnnte Salzsure ber
einen Zeitraum von 5 Tagen bei einem ph-Wert von unter 1,5 sowie die
Behandlung der demineralisierten Knochen und der Rinderhute zwecks Aufschlu
des Kollagens durch verdnnte Laugen (Kalkmilch oder Natronlauge) ber
mehrere Wochen hinweg bei einem ph.-Wert ber 12,5. 

Frage:

Inwieweit knnen ber Milch bzw. Milchprodukte BSE-Erreger bertragen werden?


Antwort:

Nach einer Stellungnahme von Prof. Heeschen, Bundesanstalt fr Milchforschung
Kiel vom 25.03.96 kann ein BSE-Infektionsrisiko ber Milch und Erzeugnisse
aus Milch (einschlielich Laktose) "mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit" ausgeschlossen werden. In allen bisher durchgefhrten
Versuchen (Tierversuche) haben sich ausschlielich Gehirn, Rckenmark,
Augen-Retina und bestimmte Abschnitte des Magen-Darm-Kanals als infektis
erwiesen. 40 andere eingehend in Tierversuchen (Muse) geprfte Gewebe -
einschlielich Milch und Milchprodukte - erwiesen sich als nicht infektis. 

Frage:

Besteht die Mglichkeit durch haushaltsbliche Verarbeitung den BSE-Erreger
zu inaktivieren? 

Antwort:

Nach bisheriger Erkenntnis kann der BSE-Erreger nur unter folgenden
Bedingungen inaktiviert werden: 

Temperatur:	133 Grad Celsius
Zeitdauer:   	20 Minuten
Druck:		mindestens 3 bar

Die Verfahren der herkmmlichen haushaltsblichen Lebensmittelverarbeitung
wie z. B. Kochen, Pasteurisieren, Sterilisieren, Grillen, Braten, Fritieren,
Mikrowellengaren, Khlen, Gefrieren reichen daher nicht aus, um den
BSE-Erreger zu inaktivieren.

Weitere Informationen:
Bayerische Landesanstalt fr Ernhrung
http://www.bayern.de/Landwirtschaft/Aktuell/1996/bse1.html
